Unsere Geschichte

Die im Stadtarchiv erhaltenen Prozessakten von 1680 führen uns exemplarisch die Abgründe der europäischen Hexen-verfolgung vor Augen. Sie dokumentieren zugleich ein Frauenschicksal des 17. Jahrhunderts. Anna Kramerin wurde 1619 in der Nähe von Köln geboren. Früh verwaist wuchs sie bei einer Pflegemutter auf. Im Alter von 16 Jahren heiratete sie den Felscher Albert Kohler aus Veringenstadt, den es in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges in ihre Gegend verschlagen hatte. Ihm folgte sie 1636 ins ferne Lauchertstädtchen.

Albert Kohler übernahm von seinem Vater die städtische Badstube und lebte 21 Jahre lang friedlich mit seiner Frau, der Bader-Ann. Von ihren fünf Kindern überlebten drei, der Sohn Albrecht erbte später die Badstube. Eine dramatische Wende nahm Annas Leben, als ihr Mann 1656 starb. Sie heiratete den Veringenstädter Hufschmied Andreas Endriß, den sie aber bald verließ, weil er sie schlug. Seit ca. 1660 ging das Gerücht, Anna sei eine Hexe. Zahlreiche Leute erinnerten sich an eigenartige Begebenheiten aus dem Leben der heilkundigen Frau. 1676 wurde eine Untersuchung gegen Anna Kramerin eingeleitet. Aber erst als ihr Nachbar, der Maurer Mathias Allgaier 1680 angab, die Bader-Ann habe seine Frau mit Zaubermitteln getötet und den Sohn Paul schwer krank gemacht, mündete dies in den eigentlichen Hexenprozess.

Die Untersuchung führte der Sigmaringer Vizekanzler Dr. Johannes Kirsinger im Beisein verschiedener Veringerstädter Räte. Die Verhöre, immer wieder begleitet von schweren Folterungen dauerten vom 11. Mai bis zum 5. Juni 1680. Sie endeten mit dem Geständnis der Anna Kramerin, sie habe sich vor langer Zeit mit dem Teufel verbündet sei mit auf den Hexensabbat gefahren und habe mit zauberischen Mitteln Menschen und Tiere geschädigt. Am Samstag den 8. Juni wurde die 61-jährige Anna Kramerin auf der Richterstätte zunächst mit dem Schwer enthauptet und dann verbrannt. Das Hexenhemd, das sie während ihrer Folterungen trug, ist als Relikt dieses Prozesses auf dem Rathaus erhalten geblieben.

 

Bilder- und Textquelle: Museumsarchiv von Veringenstadt

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